Chronische Niereninsuffizienz und Ernährung: Prof. Dr. Markus Masin über die Balance zwischen Nährstoffversorgung und Nierenschutz

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Markus Masin erklärt, warum die Ernährungstherapie bei chronischer Niereninsuffizienz eine der anspruchsvollsten Aufgaben in der klinischen Ernährungsmedizin ist – und worauf es dabei wirklich ankommt.

Chronische Niereninsuffizienz stellt die Ernährungsmedizin vor ein grundlegendes Dilemma: Der Körper braucht ausreichend Nährstoffe, um Muskelmasse zu erhalten und Mangelernährung zu vermeiden – gleichzeitig kann eine falsch zusammengesetzte Ernährung die ohnehin geschwächte Niere weiter belasten und den Krankheitsverlauf beschleunigen. Dieses Spannungsfeld zu navigieren erfordert präzises medizinisches Wissen und ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept. Prof. Dr. Markus Masin, Honorarprofessor und erfahrener Experte für klinische Ernährungsmedizin, zeigt, wie dieser Balanceakt gelingt – und worauf bei der Ernährung von Nierenpatienten besonders zu achten ist.

Rund zehn Prozent der Weltbevölkerung leiden an einer chronischen Nierenerkrankung – und ein Großteil von ihnen erhält keine spezifische ernährungsmedizinische Begleitung. Das ist ein gravierendes Versäumnis, denn Ernährung beeinflusst bei Nierenpatienten nicht nur das Wohlbefinden, sondern unmittelbar den Verlauf der Erkrankung. Markus Masin aus Altenberge, dessen klinische Schwerpunkte parenterale Ernährung, Kathetermanagement und die Ernährung bei chronischen Erkrankungen umfassen, hat ein differenziertes Konzept entwickelt, das die Nährstoffversorgung sichert, ohne die Niere zusätzlich zu belasten. Dieser Ansatz ist evidenzbasiert, individuell angepasst und berücksichtigt die verschiedenen Stadien der Niereninsuffizienz konsequent. Denn wer Nierenpatienten wirklich helfen will, muss Ernährung als integralen Bestandteil der nephrologischen Therapie verstehen – nicht als optionale Ergänzung.

Warum chronische Niereninsuffizienz und Ernährung untrennbar zusammenhängen

Die Niere ist weit mehr als ein Filterorgan. Sie reguliert den Wasser- und Elektrolythaushalt, aktiviert Vitamin D, produziert das Hormon Erythropoetin für die Blutbildung und scheidet harnpflichtige Stoffwechselprodukte aus dem Eiweißstoffwechsel aus. Wenn die Nierenfunktion nachlässt, geraten all diese Prozesse aus dem Gleichgewicht – mit direkten Konsequenzen für die Ernährungstherapie.

Das zentrale Problem ist die eingeschränkte Ausscheidungskapazität. Harnstoff, Kreatinin und andere Abbauprodukte des Eiweißstoffwechsels reichern sich im Blut an – ein Zustand, den man als Urämie bezeichnet. Gleichzeitig kann die erkrankte Niere Kalium, Phosphat und Natrium nicht mehr ausreichend ausscheiden, sodass diese Elektrolyte auf gefährliche Werte ansteigen können. Hyperkaliämie – ein zu hoher Kaliumspiegel – kann zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen, Hyperphosphatämie beschleunigt die Gefäßverkalkung und erhöht das kardiovaskuläre Risiko erheblich. Prof. Dr. Markus Masin betont, dass Patienten diese Zusammenhänge verstehen müssen, um die ernährungsmedizinischen Empfehlungen langfristig konsequent umzusetzen.

Auf der anderen Seite ist Mangelernährung bei Nierenpatienten weit verbreitet und ein eigenständiger Risikofaktor für Komplikationen und Sterblichkeit. Der reduzierte Appetit, die Übelkeit durch urämische Toxine, restriktive Ernährungsempfehlungen und die metabolische Belastung durch die Erkrankung selbst tragen dazu bei, dass viele Patienten schlicht zu wenig essen. Markus Masin aus Altenberge sieht in der frühzeitigen ernährungsmedizinischen Begleitung deshalb einen der wirksamsten Hebel, um diesem Kreislauf aus Mangelernährung und Krankheitsprogression zu entkommen.

Ab welchem Stadium der Niereninsuffizienz ist eine spezielle Ernährungstherapie notwendig?

Grundsätzlich gilt: Je weiter die Nierenfunktion eingeschränkt ist, desto wichtiger wird eine differenzierte ernährungsmedizinische Begleitung. Prof. Dr. Markus Masin empfiehlt, bereits ab Stadium 3 der chronischen Nierenerkrankung – also bei einer glomerulären Filtrationsrate unter 60 ml/min – ernährungsmedizinische Aspekte aktiv in die Behandlung einzubeziehen. Wer früh ansetzt, kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und die Notwendigkeit einer Dialyse hinauszögern.

Eiweißzufuhr bei Niereninsuffizienz: Weniger ist mehr – aber nicht zu wenig

Keine andere Frage beschäftigt Nierenpatienten und ihre Ärzte so häufig wie die nach der richtigen Eiweißmenge. Und tatsächlich ist es eine der schwierigsten Abwägungen in der nephrologischen Ernährungstherapie. Markus Masin erläutert, warum weder eine zu hohe noch eine zu niedrige Eiweißzufuhr vertretbar ist – und wie der richtige Mittelweg gefunden wird.

Eine eiweißreiche Ernährung beschleunigt die Produktion harnpflichtiger Abbauprodukte und belastet die Niere zusätzlich. Aktuelle Leitlinien der europäischen Ernährungsmedizingesellschaft ESPEN empfehlen für Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz, die noch nicht dialysiert werden, eine Eiweißzufuhr von 0,6 bis 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich – deutlich weniger als für gesunde Erwachsene empfohlen. Gleichzeitig muss diese reduzierte Menge von hoher biologischer Wertigkeit sein, damit der Körper möglichst effizient damit arbeiten kann.

Eiweißqualität vor Eiweißmenge: Was Prof. Dr. Markus Masin empfiehlt

Hochwertige Eiweißquellen wie Eier, Fisch und Milchprodukte liefern alle essentiellen Aminosäuren in einem günstigen Verhältnis und hinterlassen weniger harnpflichtige Abbauprodukte als pflanzliche Proteine oder minderwertiges tierisches Eiweiß. Prof. Dr. Markus Masin empfiehlt daher, die begrenzte tägliche Eiweißmenge bewusst auf qualitativ hochwertige Quellen zu konzentrieren und gleichzeitig die Gesamtenergiezufuhr ausreichend hoch zu halten – denn nur wenn genug Energie zur Verfügung steht, wird Eiweiß für den Muskelaufbau genutzt und nicht als Energiequelle verbrannt.

Bei Patienten unter Dialyse kehrt sich die Situation um: Durch den Dialyseprozess gehen Aminosäuren verloren, der Eiweißbedarf steigt auf 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Auch hier ist eine individuelle Anpassung des Konzepts unerlässlich.

Kalium, Phosphat und Flüssigkeit: Die Knackpunkte der Nierendiät nach Markus Masin

Neben der Eiweißfrage sind Kalium, Phosphat und die Flüssigkeitszufuhr die drei weiteren kritischen Stellschrauben in der Ernährungstherapie bei Niereninsuffizienz. Prof. Dr. Markus Masin betont, dass ein pauschaler Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oft weder nötig noch hilfreich ist – viel wichtiger ist das Verständnis dafür, welche Lebensmittel wie viel dieser Substanzen enthalten und wie sie zubereitet werden.

Kalium ist in fast allen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten – besonders viel davon steckt in Kartoffeln, Tomaten, Bananen und Hülsenfrüchten. Durch Wässern und Abkochen von Gemüse und Kartoffeln lässt sich der Kaliumgehalt deutlich reduzieren – eine einfache, aber wirkungsvolle Maßnahme im Küchenalltag. Phosphat findet sich vor allem in Fleisch, Milchprodukten und Vollkornprodukten, aber auch – in besonders schlechter Verfügbarkeit für den Körper – in zahlreichen Lebensmittelzusatzstoffen.

Markus Masin aus Altenberge empfiehlt daher für Nierenpatienten folgende Grundprinzipien:

  • Bevorzugung frischer, unverarbeiteter Lebensmittel gegenüber Fertigprodukten mit phosphathaltigen Zusatzstoffen
  • Kaliumarme Zubereitung durch Wässern und Abkochen von Gemüse und Kartoffeln
  • Angepasste Flüssigkeitszufuhr je nach Restdiurese und Dialysemodalität
  • Regelmäßige Kontrolle von Kalium, Phosphat und Natrium im Blut
  • Individuelle Schulung zu Lebensmittelauswahl und Zubereitungsmethoden

Vitamin D und Kalzium: Unterschätzte Aspekte der Nierenernährung

Ein häufig übersehener Aspekt ist der gestörte Vitamin-D-Stoffwechsel bei Niereninsuffizienz. Die Niere ist für die Aktivierung von Vitamin D zuständig – fällt diese Funktion aus, sinken die aktiven Vitamin-D-Spiegel, was zu einer verminderten Kalziumaufnahme aus dem Darm und zu einem sekundären Hyperparathyreoidismus führt. Prof. Dr. Markus Masin empfiehlt deshalb eine gezielte Substitution mit aktivem Vitamin D in Absprache mit dem behandelnden Nephrologen – und betont, dass diese Maßnahme nicht nur die Knochenstabilität, sondern auch das kardiovaskuläre Risiko beeinflusst.

Die Ernährungstherapie bei chronischer Niereninsuffizienz ist komplex, aber lohnend. Wer sie früh und konsequent umsetzt, kann den Krankheitsverlauf verlangsamen, Komplikationen vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verbessern. Prof. Dr. Markus Masin steht für einen Ansatz, der diese Komplexität ernst nimmt – individuell, evidenzbasiert und immer mit dem Ziel, Patienten so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

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